Kindertagesstätte St. Otto Ebersdorf

Konzeption

 

Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Konzeption - ein Spiegelbild unserer Arbeit
2. Unsere Kindertagesstätte stellt sich vor
3. Profil unseres katholischen Kindergartens
4. Unser Team
5. Die Lebenssituation unserer Kinder und Eltern
6. Gesetzliche Bestimmungen
7. Unser Tagesablauf in den unterschiedlichen Gruppen
8. Ziele unserer pädagogischen Arbeit
9. Spielen und Lernen
10. Wie bereiten wir unsere Kinder besonders auf die Schule vor?
11. Wie gestalten wir unsere Übergänge?
12. Wir feiern die Feste, wie sie fallen
13. Die Elternarbeit
14. Qualitätssicherung
15. Zusammenarbeit mit anderen Institutionen - Öffentlichkeitsarbeit
16. Was wir uns und unseren Kindern wünschen!
17. Fachbegriffe kurz erklärt!
18. Quellen

8. Ziele unserer pädagogischen Arbeit

8.1. Basiskompetenzen
(siehe auchPunkt 6.1. Schaubild zum Bayrischen Bildungs- und Erziehungsplan)

Wir unterstützen die Kinder dabei, sich zu eigenständigen Persönlichkeiten zu entwickeln, die sich ihrer sozialen Mitverantwortung bewusst werden.
Dabei spielt das „Lernen wie man lernt“ eine große Rolle.

Unser Motto lautet: „Hilf mir, es selbst zu tun“!

 

 

Um die Basiskompetenzen entwickeln zu können brauchen die Kinder eine liebevolle positive Atmosphäre zum Wohlfühlen

  • persönliche Zuwendung zu jedem Kind – jedes Kind wohlwollend betrachten
  • Zeit für die Kinder und ihre Anliegen und Probleme nehmen
  • Vertrauen schaffen
  • Sicherheit geben
  • Ihren Bedürfnissen gerecht werden, das Kindsein bewahren
  • Angenehme und unangenehme Gefühle äußern dürfen
  • Spaß und Freude erleben
  • Gruppengefühl entwickeln
  • Freiräume schaffen, aber auch Grenzen setzen
  • Möglichkeiten zur Bewegung und Entspannung einräumen (Rückzugsmöglichkeit und Stressbewältigung)
  • Zeit zum Spielen und Ausprobieren
  • Guten Kontakt mit den Eltern halten
  • Die Kinder so annehmen, wie sie sind – sie dort abholen, wo sie stehen
  • Mitspracherecht der Kinder

 


Personale Kompetenz


Dazu gehören z.B.
  • Selbstwertgefühl des Kindes
    - Wir bestärken durch Lob und Anerkennung
  • Autonomieerleben
    - Wir bieten den Kindern Wahl- und Mitsprachemöglichkeiten
  • Kompetenzerleben
    - Wir geben den Kindern Aufgaben, die ihrem Entwicklungsstand entsprechen oder geringfügig darüber liegen
  • Denkfähigkeit
    - Wir regen die Kinder an, Vermutungen über das Verhalten von Dingen oder Personen zu äußern
  • Differenzierte Wahrnehmung
    - Wir unterstützen diese, indem wir die Kinder auffordern, zu beschreiben, was sie beobachten, fühlen, schmecken riechen oder tasten
  • Merkfähigkeit
    - Wir lassen die Kinder z.B. Geschichten nacherzählen, über den Tagesablauf berichten und bieten geeignete Lernspiele an
  • Problemlösefähigkeit
    - Wir nehmen den Kindern die Probleme nicht ab, sondern ermutigen sie selbst nach Lösungen zu suchen – aus Fehlern lernt man
  • Grob- und feinmotorische Kompetenz
    - Wir geben ihnen genügend Gelegenheit zum Bewegen und Gestalten (malen, kneten, bauen, matschen usw.)
  • Fähigkeit zur Regulierung von körperlicher Anspannung
    - Wir bieten den Kindern im Tagesablauf Ruhephasen an und zeigen ihnen verschiedene Entspannungstechniken, damit sie diese bei Bedarf einsetzen können.

 


Kompetenzen zum Handeln im sozialen Kontext


Dazu gehören z.B.
  • Gute Beziehungen zu Erwachsenen und Kindern
    - Wir helfen den Kindern durch unsere Vorbildhaltung, Beziehungen aufzubauen und sprechen mit ihnen über soziales Verhalten
  • Kommunikationsfähigkeit
    - Wir lernen den Kindern sich angemessen auszudrücken, andere Kinder ausreden zu lassen, ihnen zuzuhören und bei Unklarheiten nachzufragen, indem wir ihnen viele Gelegenheiten für Gespräche bieten (Morgenkreis, Bilderbuchbetrachtung, Kinderkonferenz usw.)
  • Kooperationsfähigkeit
    - Wir lernen den Kindern bei gemein- samen Aktivitäten und Projekten sich mit anderen abzusprechen, gemeinsam zu planen und über ihre Erfahrungen zu sprechen
  • Konfliktmanagement
    - Wir geben den Kindern Raum ihre Konflikte selbstständig zu lösen und erarbeiten mit ihnen bei Bedarf Lösungsmöglichkeiten
  • Verantwortung für das eigene Handeln und Verantwortung anderen Menschen gegenüber
    - wir regen die Kinder an, eigene Verhaltensweisen zu überdenken und sich für Schwächere, Benachteiligte und Unterdrückte einzusetzen
  • Fähigkeit und Bereitschaft zur demokratischen Teilhabe
    - Wir ermöglichen ihnen regelmäßige Mitsprache und Mitgestaltung unseres Tagesablaufes und sie erfahren Demokratie durch Abstimmungen

Lernmethodische Kompetenz


Dazu gehören z.B.
  • Kompetenzen, neues Wissen bewusst, selbstgesteuert und reflektiert zu erwerben
    - Wir zeigen ihnen wie sie sich neue Informationen (Umgang mit Medien) gezielt beschaffen und wie sie dieses Wissen anwenden und auf unterschiedliche Situationen übertragen können
  • Kompetenzen, die eigenen Lernprozesse wahrzunehmen zu steuern und zu regulieren
    - Wir geben ihnen Zeit verschiedene Lernwege auszuprobieren, eigene Fehler selbst zu entdecken und eigenständig zu korrigieren
  • Lernen, wie man lernt
    - Wir organisieren die Lernprozesse so, dass die Kinder bewusst erleben und mit anderen reflektieren, dass sie lernen, was sie lernen und wie sie es gelernt haben
  • Widerstandsfähigkeit (Resilienz) Resilienz ist die Grundlage für positive Entwicklung, sowie der Grundstein um mit Veränderungen und Belastungen erfolgreich umgehen zu können
    - Wir machen Kindern bewusst, dass sie schon viele neue Situationen erfolgreich gemeistert haben
    - Wir erarbeiten mit unseren Kindern Strategien um mit den unterschiedlichen Anforderungen zurecht zu kommen
    - Wir stärken unsere Kinder in ihren Basiskompetenzen

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8.2. Unsere Arbeit gestaltet sich Kind orientiert

Die Kinder kommen mit verschiedenen Lebenserfahrungen, die sie in ihrem Umfeld gemacht haben in unsere Kindertagesstätte. Jedes Kind besitzt unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten. Es ist individuell in der Art, wie es mit seinen Sinnen die Umwelt wahrnimmt. Wir nehmen es in seiner gesamten Persönlichkeit an. Im Mittelpunkt steht das Kind mit seinen Bedürfnissen, Stärken und Lerninteressen. Jedes Kind schreitet mit seiner Persönlichkeitsentwicklung unterschiedlich voran.

Als gesetzliche Grundlage richtet sich unsere pädagogische Arbeit nach den Bayerischen Bildungs- und Betreuungsgesetz (BayKiBiG) und dem Sozialen Gesetzbuch (SGB VIII §22). Unsere Orientierungs- und Handlungsgrundlage ist der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung. Wir fördern und beteiligen die Kinder in Ihrer Bildung und Erziehung, entsprechend ihres Entwicklungsstandes. Beteiligung bedeutet Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitbestimmung. Die Fachkräfte und Eltern sind gleichermaßen an dieser Entwicklung beteiligt und wirken partnerschaftlich zusammen.

Diesen Auftrag setzten wir durch Kind orientiertes Arbeiten um.

Im Mittelpunkt steht das Kind als eine von Anfang an mitgestaltende Persönlichkeit.

Was du mir sagst vergesse ich.
Wenn du es mir zeigst,
so kann ich es mir merken.
Lässt du mich mitmachen,
dann behalte ich es für immer.

Kind orientiertes Arbeiten beinhaltet:

  • vom Kind ausgehend, Berücksichtigung seiner Interessen, seiner Bedürfnisse, seiner Neugierde, seines Umfeldes, seiner Lebenssituation und seiner Erfahrungen
  • seinem Alter und Entwicklungsstand gerecht werden
  • beobachten, was die Kinder beschäftigt und was sie brauchen (Raum, Zeit, Material, Geborgenheit, Zuwendung, Freunde) siehe Beobachtung (siehe Punkt 8.3.1.)
  • aktuelle Gegebenheiten und Anlässe mit einbeziehen
  • kennenlernen des näheren Umfeldes (Institutionen, Berufsgruppen)
  • Projektarbeit (siehe Punkt 8.3.2.)
  • Erlebnisse und Erfahrungen in und mit der realen Welt machen
  • Freiraum für eigene Entdeckungen haben und eigene Erfahrungen sammeln
  • mit allen Sinnen die Welt erfahren und genießen
  • angemessene Freiräume für die Entwicklung schaffen
  • Mitbestimmung und Mitgestaltung der Kinder
  • soziale Verantwortung und eigenes Handeln
  • selbständiges Arbeiten und Bewältigung von Problemen und Aufgaben
  • ihnen einen geregelten Tagesablauf bieten (siehe Punkt 7)
  • Transparenz der täglichen Arbeit mit den Kindern
  • partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Eltern (siehe Punkt 13)

 

Kind orientiertes Arbeiten möchte:

- Lebensereignisse und erlebte Situationen, die die Kinder beschäftigen,

nacherleben (auf emotionaler Ebene)
verstehen (auf der kognitiven Ebene)
aufarbeiten bzw. verändern (Handlungsebene)

- Entwicklungsstand, individuelle Erfahrungen und Erlebnisse eines jeden Kindes berücksichtigen.

 

Ziel ist es das Kind in seiner Persönlichkeit zu stärken, damit es sein gegenwärtiges und zukünftiges Leben verstehen und bewältigen kann.

 

Bild

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8.3. Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit

8.3.1. Beobachtung und Dokumentation

Kinder beobachten – Entwicklung dokumentieren

Beobachtung und Dokumentation der Entwicklung, des Lernens und des Verhaltens von Kindern bilden eine wesentliche Grundlage für die Arbeit von pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen. Sie geben Einblick in Entwicklung, Interessen und Bildungsprozesse. Sie sind hilfreich um die Qualität von pädagogischen Angeboten festzustellen und weiterzuentwickeln. Sie intensivieren den Austausch und die Kooperation mit Fachdiensten und Schulen.

Unsere Beobachtungen und Dokumentationen sind breit angelegt (freie Beobachtung, Beobachtungsbögen). Sie geben Einblick in die wesentlichen Lern- und Entwicklungsprozesse eines Kindes und geben Impulse für das Gespräch mit Kindern, um Entstehungsprozesse einzuleiten und zu erzielen. Diese beziehen sich auf die verschiedenen im Bildungs- und Erziehungsplan aufgeführten Basiskompetenzen (siehe Punkt 8.1.) und Lernbereichen (siehe Punkt 8.3. Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit).

Das Staatsinstitut für Frühpädagogik entwickelte verschiedene Beobachtungsbögen die wir, gesetzlich vorgeschrieben, für jedes Kind umsetzen müssen:
- Perik – Positive Entwicklung und Resilienz im Kindergartenalltag
- Seldak – Sprachentwicklung und Literacy bei deutschsprachig aufwachsenden Kindern
- Sismik – Sprachverhalten und Interesse an Sprache bei Migrantenkindern in Kitas

Besonderes Gewicht hat:

  • die Erfassung der Lernbereitschaft von Kinder d.h. ihrer Bereitschaft, sich in verschiedenen Lernfeldern und bei Aktivitäten zu engagieren z.B. im Stuhlkreis, Freispielzeit, Projektarbeit.
  • die Erfassung von Lern- und Entwicklungsschritten z.B. in der sprachlichen oder naturwissenschaftlichen Bildung
  • die Erfassung des Wohlbefindens der Kinder
  • die Erfassung der sozialen Beziehungen eines Kindes zu anderen Kindern, Erwachsenen und zu pädagogischen Bezugspersonen

 

Um diese Beobachtungsbögen umfassend ausfüllen zu können, finden in jeder Gruppe zwei Beobachtungswochen statt.

Diese daraus gewonnenen Daten erleichtern es uns die Perspektiven des Kindes, sein Verhalten und Erleben besser zu verstehen. Sie bieten eine fundierte Grundlage, um jedes Kind entwicklungsspezifisch zu fördern und um Eltern kompetent entgegenzutreten.

Staunen ist der erste Schritt
zur Erkenntnis.

Pasteur

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8.3.2. Projektarbeit

Projektarbeit hat in unserer pädagogischen Arbeit mit den Kindern große Bedeutung. Die Kinder machen im Projektverlauf für ihre Gesamtentwicklung wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse und können bereits erworbenes Wissen einbringen. In diesem Prozess findet die Erweiterung kognitiver, emotionaler, motorischer und sozialer Kompetenzen statt.

Was ist ein Projekt?

Als Projekt bezeichnet man ein längerfristiges, konkretes Vorhaben, das ein Thema über einen längeren Zeitraum intensiv behandelt.
Das Projektthema wird in der Kinderkonferenz festgelegt (siehe Punkt 8.3.3.) Gemeinsam mit den Kindern wird dieses über einen gewissen Zeitraum sehr intensiv vorbereitet, erarbeitet und reflektiert. Es können die unterschiedlichsten Themen aus dem Lebensbereich der Kinder und ihres Umfeldes behandelt werden z.B. Familie, Natur, Technik, Lebensfragen.
Sie können aus Situationen entstehen die für die Kinder momentan bedeutsam, aktuell oder von besonderem Interesse sind.
Projektthemen entstehen auch durch das Beobachten der Kindergruppe. Was braucht die Gruppe? Z.B. Konfliktbewältigung, Andersartigkeit (Hautfarbe, Behinderung etc.).

Ablauf eines Projekts:

  • Themenfindung

    Sich aus der Situation ergebend
    Spontane Ideen von Kindern oder anderen Personen
    Ausgearbeiteter Vorschlag der Erzieher/innen

    Kinderkonferenz einberufen – Festlegen des Themas

    Entscheidung der Gruppe über den weiteren Projektverlauf.
    Was wollen und können wir alles machen?

    Projektskizze/-plan
  • Vorbereitung des Projekts
  • Durchführung des Projekts
    (mit Besprechung und Auswertung)

    Präsentation der Ergebnisse
  • Auswertung des Projektes

 

Ein pädagogisches Ziel der Projektarbeit ist die Öffnung der Kindertagesstätte zu ihrem Umfeld. Vernetzung und Öffnung zum Gemeinwesen bedeutet, dass die Kinder mit den Erzieher/innen bei der Projektplanung und -durchführung Eltern und andere Erwachsene ausfindig machen und einbinden, die entsprechende Kontakte zu Fachleuten vermitteln. Diese werden bei den Kindern zu Vorbildern, ein „lebensnahes Lernen“ beginnt. Projektarbeit beinhaltet eine Form der Eltern(mit)arbeit und somit nehmen sie Einsicht in die pädagogische Arbeit.

Der fortwährende Wechsel von Besichtigungen, Gesprächen, Rollenspielen, Mal- und Bastelaktivitäten, Experimenten, Bildern usw. (siehe 8.3. Schwerpunkte unserer pädagogischen Arbeit) führt bei den Kindern zu einem immer tiefer gehenden Eindringen und Auseinandersetzen mit der Thematik. Ein spiralförmiges - aufbauendes Lernen findet statt.

 

Gruppeninterne Projekte am Vormittag in der Stammgruppe:

Beispiele:

  • Jährliche Faschingsprojekte – Prinz u. Prinzessin, Hexen, Indianer usw. nach Wahl der Kinder
  • Projekte zu den unterschiedlichsten Themen: Vom Korn zum Brot – Von der Kaulquappe zum Frosch – Vom Ei zum Küken – Pferd – Entwicklung des Fliegens – Bauernhof – Zeit – Jahreszeit – Freundschaft – Tigerkids / Gesundheitsprogram (siehe 8.3.7.) usw.

 

Projekte, die sich jährlich wiederholen:

  • Entdeckungen im Zahlenland - Ein Projekt zur frühen mathematischen Bildung von Prof. Preiß - Alter: Vorschulkinder (siehe 8.3.9.)
  • Würzburger Trainingsprogramm: Hören – Lauschen – Lernen (siehe 8.3.5.)
  • Vorschulgeschichte (siehe 10.)

 

Gruppenübergreifende Projekte am Nachmittag:

Beispiele:

  • Theaterwerkstatt: Puppenspiel
  • Klassische Musik begleitet mit Orffinstrumenten
  • Märchen gestaltet nach „Franz Kett“
  • Entspannung
  • „Lesestunde“ Wir hören und betrachten wunderschöne Bilderbücher
  • Märchenstunde
  • Kreis- und Bewegungsspiele
  • Bewegung und Tanz
  • Kochen für Kinder - Schmeckt nicht gibt es (fast) nicht
  • Klangfarben und Farbtöne - Wir wollen mit Farben und Klängen experimentieren.
  • Formen und Zeichen in unserer Umwelt entdecken
  • Forschen und Experimentieren
  • Entdeckungsreise auf der Wiese
  • Musik und Rhythmus
  • Alt und Jung – ein Miteinander

Die Themen der Projekte am Nachmittag werden vom pädagogischen Personal ausgewählt (altersspezifisch, was brauchen die Kinder) und bei einer Kinderkonferenz den Kindern vorgestellt. Die Kinder wählen eigenständig ein Projekt ihrer Wahl aus. Sie haben auch die Möglichkeit es abzulehnen und in dieser Zeit in der Gruppe zu spielen. (siehe Punkt 9.).

Die Aufgabe der Umgebung ist es nicht, ein Kind zu formen, sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.

Maria Montessori

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8.3.3. Lernen wie man lernt

Neben dem Erwerb von Wissen und der Förderung von Allgemeinbildung, ist die Fähigkeit zu lernen oder das „Lernen wie man lernt“, gezielt zu fördern und ein weiterer Schwerpunkt.

Wissen kompetent nutzen zu können hängt nicht von erworbenen Wissensinhalten ab, sondern vor allem in der Art und Weise, wie man Wissen erworben hat.

  • ein Nachdenken über das eigene Denken; das heißt sich bewusstmachen, wie man eine Lernaufgabe angeht oder eigene Planungsschritte erarbeitet
  • das Wissen über Lernvorgänge und deren Steuerung und Kontrolle; das heißt neue Informationen gezielt beschaffen und verarbeiten
  • die Fähigkeit zur Beobachtung und zur Regulierung des eigenen Verhaltens; das heißt Wissen zur Problemlösung, sachgerecht, kreativ und sozial verantwortlich einsetzen.

Die Vermittlung und Förderung dieser Kompetenzen sind für erfolgreiches Lernen unerlässlich. Um dem Kind bis zum Schuleintritt diese Kompetenzen zu verinnerlichen, findet in unserer Kindestagesstätte Wissensvermittlung von Anfang an, in ganzheitlichen Lernangeboten (siehe Punkt 8.3.2. Projektarbeit) statt. Sie beinhaltet die Entfaltung aller Sinne, Erfahrungen der Lebensumwelt und Selbsterfahrung in sozialen Bezügen.

Vermittlung von Wissen sollte

  • lebensnah im nächsten Umfeld des Kindes stattfinden
  • Entdeckungen und Erfahrungen unterstützt durch aktive Handlungen (Eigenaktivität) fördern
  • fachübergreifend auch den Bezug zu anderen Erziehungs- und Bildungsbereichen oder dem Gemeinwesen herstellen
  • sozial in Mitbestimmung, Unterstützung, Zusammenhalt und Verantwortung sein
  • problemorientiert sein und mit Denkaufgaben, Fragestellungen, Fehlererkennung und Konfliktlösung arbeiten

 

Praxisbeispiele:

Wochenplan:

Mit den Kindern führen wir einen Wochenplan und hängen ihn im Garderobenbereich gut sichtbar für die Eltern auf. Jeden Tag schreiben wir auf, was wir alles getan und gelernt haben. Hierbei werden mit den Kindern gemeinsam Lernprozesse reflektiert, damit die Kinder über das Lernen sprechen, nachdenken und wiederholen. Die Kinder können den Plan je nach Lust und Kreativität verschönern und auf Wunsch werden aktuelle Lieder und Gedichte mit ausgehängt.

Kinderkonferenz:

Damit unsere Kinder selbständig und verantwortungsfähig werden und mit schwierigen Situationen umgehen können, müssen Kinder in ihrem sozialen Umfeld (Gruppe, Elternhaus) selbsttätig agieren können und an für sie wichtigen Situationen und Fragen beteiligt werden. Die Kinderkonferenzen sind eine pädagogisch bedeutsame Form der Beteiligung von Kindern und erlebte Demokratie.

Kinderkonferenz heißt:

  • Kindern das Wort geben
  • sie beteiligen
  • demokratisch abstimmen
  • sich auf einen Veränderungsprozess einlassen
  • konkrete Situationen verstehen, besprechen und gestalten
  • zusammen planen und phantasieren
  • erzählen und philosophieren
  • Unmut und Freude ausdrücken
  • gemeinsames aushandeln von Ideen und Vorhaben
  • Grenzen von sich und anderen erfahren
  • Verantwortung und Engagement aneinander entwickeln

Eine Kinderkonferenz wird einberufen, daran nimmt die Gruppe, Kleingruppe teil. Sie findet spontan oder regelmäßig statt, nicht länger als 20 Minuten. Sie findet in einem eigenen „Raum“ statt. Kinder und Personal sind gleichberechtigt, die Gesprächsführung wechselt, Gesprächsregeln sind dabei wichtig (Redekugel, Sprechstein), diese werden gemeinsam ausgemacht. Inhalte können von allen eingebracht werden. Ergebnisse werden kindgemäß dokumentiert. Konferenzen werden geöffnet und geschlossen, es wird gemeinsam verabredet, was jeweils verhandelt wird.

 

Aufgaben:

Die Kinder lernen es unterschiedliche Aufgaben zu übernehmen und diese selbständig zu erfüllen.

  • nach dem Spiel zusammen aufräumen
  • ihre Gruppendienste übernehmen (z.B. Tische abwischen, Kerze anzünden)
  • sich um kleinere Kinder kümmern (z.B. Patenschaft für ein Kind übernehmen)
  • kleine Botengänge ausführen (Briefe ins Büro tragen, aus einer anderen Gruppe etwas besorgen)
  • passend zum Projektthema etwas von zu Hause mitbringen (z.B. Bücher, Bilder, Gegenstände)
  • Informationen bekommen, Kontakte herstellen für das Projektthema oder die Exkursion (z.B. Eltern fragen, Fachkräfte anrufen,  in Lexikas schauen )

Konflikte: >siehe Punkt 8.3.4

 

 

Veranschaulichung „Lernen wie man lernt“ an einem Projektbeispiel:

Wir erleben den Herbst – Luft und Wind

Verlauf eines Projekts:

Themenfindung:

Es ist Herbst die Kinder interessieren sich für diese Jahreszeit und deren Naturveränderungen.

Projektablauf
Lernprozess der Kinder

Gespräch: Thema „Herbst“

eigene Erfahrungen der Kinder

Eingrenzung des Themas „Wind-Luft“

Mitverantwortung der Kinder
Demokratische Entscheidungsfindung

Kinderkonferenz einberufen über weiteren Projektverlauf

Erworbenes Wissen anwenden
Ideen, Wünsche, Meinungen vortragen, Entscheidungen treffen, Mitbestimmung, Mitplanung

Projektskizze: (Brainstorming)

Ideen wiederholen, formulieren, festhalten

Vorbereitung des Projekts:
Vorschläge für Aktivitäten, aufsuchende Orte, benötigte Materialien, Dienstleistungen, Fachleute, Bücher, Broschüren

 

Handlungsorientiert, Selbsttätigkeit

Durchführung des Projekts:
Aktivität: Erlebnisspaziergang: Wir suchen den Wind, können wir ihn mit nach Hause nehmen?

Aktives Handeln, neue Informationen,  neue Erkenntnisse sammeln, Antworten finden, Zusammenhalt, Verantwortung

Gespräch: Erlebnisspaziergang

Austausch von Informationen, Erkenntnissen,
Erlebtes berichten

Bildbetrachtung: Wind-Sturm
Was bewirkt der Wind- Sturm? Blätter bewegen, Wäsche trocknen usw.

Aufarbeiten des Erlebten, neues Wissen vermittelt

Gespräch:
Wo befindet sich überall Luft-Wind? im Körper, im Raum usw.
Für was brauchen wir Luft-Wind?

Anregung zum Denken über Sinn und Zweck,
von Luft-Wind
Sinn und Zweck kennen

Experimente: Luft-Wind
Wie kann man Luft erzeugen?
Was kann der Wind alles bewegen? usw.

Erforschen, Erleben, Nachdenken, Ausprobieren, bereits gemachtes Wissen übertragen können

Wir gestalten ein Windmobile (im Freien) und beobachten

Erworbenes Wissen vertiefen

Gespräch:
Was wollen wir noch ausprobieren, basteln? Kinder entscheiden sich für Drachen
Was braucht man um einen Drachen zu basteln? Er soll ja fliegen können.
Wer kann uns helfen?

Ideen vortragen, Kompromiss eingehen.

Problemorientiert, Gedanken machen, bereits erworbenes Wissen äußern  (z.B. der Drachen muss leicht sein, dicht sein usw.)
Fachübergreifend – Mitwirkung der Eltern

Basteln: Drachen

Lernen Sinn und Zweck kennen

Naturerlebnis: Drachen steigen lassen

Erfahrungen machen (fliegt der Drachen ohne Wind?)

Die Kinder entwickeln das Projekt weiter

Kreativität und Einfälle der Kinder

 

Wir geben den Kindern Zeit, Raum und Material, damit sie ihre Ideen und Vorstellungen weiterentwickeln können. Zeit um Projekte ausführlich und ausdauernd zu erarbeiten. Raum und Material für eine breite Palette von Ausdrucksmöglichkeiten des Kindes wie Sprache, Bewegung, Musik, Tanz, künstlerische Gestaltung usw. (siehe Themenbezogene Bildungs- und Erziehungsbereiche und Basiskompetenzen).

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8.3.4. Emotionalität soziale Beziehungen und Konflikte

Ihr Kind wächst in der Kindertagesstätte in einer Gruppe auf. In der Gemeinschaft mit anderen vollzieht sich ein Prozess, auch Sozialisation genannt. Ihr Kind nimmt in zunehmenden Maße selbständig an dem Umgang, den Gewohnheiten und Werten teil, die innerhalb einer Gemeinschaft gebräuchlich sind, bis es ganz dazu gehört. Die Sozialisation, die Angleichung an anderen Menschen, durchzieht alle anderen Entwicklungen. Mann kann sie nicht von anderen trennen z.B. die Entwicklung der Körperbeherrschung oder die Gewissensbildung.

  • Das Kind orientiert sich an Menschen, ihnen gilt sein Interesse.
  • Das Kind übernimmt eine Vielzahl von Ideen und Verhaltensweisen.
  • Das Kind gewinnt Fertigkeiten im Umgang mit Menschen.

Es lernt wie man Kontakte herstellen, aufrechterhalten und abbrechen kann.
Zur sozialen Entwicklung gehört auch die emotionale Entwicklung. Auf der einen Seite hat das Kind den Wunsch nach Zuwendung, Geborgenheit, Nähe und Vertrauen in der Beziehung zu Erwachsenen und Kindern, auf der anderen Seite das Streben nach Unabhängigkeit und Autonomie. Kinder stellen füreinander ein „soziales Übungsfeld“ dar, das es dem Kind ermöglicht soziale Kompetenzen (siehe Punkt 8.1.) zu erwerben und damit schrittweise immer unabhängiger von den Eltern zu werden. Wir Erzieherinnen wissen, dass das Sozialverhalten der Kinder in hohem Maße auch vom Erziehungsstil der Eltern beeinflusst wird, deswegen ist es uns wichtig, Hand in Hand mit den Eltern zusammen zu arbeiten und ihre Bemühungen zu unterstützen. Die Kinder lernen, dass zum sozialen Verhalten auch Einfühlungsvermögen gehört. Dieses gilt es bei Konflikten zu stärken, verschiedene Sichtweisen zu erkennen, damit die Kinder lernen friedlich miteinander umzugehen und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Sie lernen dies einmal von der Vorbildfunktion der Erzieherinnen – wie sie mit Streitigkeiten umgehen, wie sie darauf reagieren, wie sie sie schlichten – und zum anderen durch tägliche Erfahrung im Umgang mit anderen Kindern. Soziale Fähigkeiten werden überwiegend durch spielerische Aktivitäten eingeübt, so dass das Spiel ein wesentliches Medium für Erfahrungen und Entwicklungen darstellt.

 

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8.3.5. Sprache und Literacy

Die Literacy–Erziehung meint nicht nur die Lese- und Schreibkompetenz, sondern auch Text- und Sinnverständnis, die Lesefreude, die Vertrautheit mit Büchern und der Schriftsprache oder die Fähigkeit sich ausdrücken zu können, also zu lernen Sprache zu benutzen.

Eine wichtige Voraussetzung für schulisches Lernen, beruflichen Erfolg und für die Teilhabe am gesellschaftlichen – kulturellen Leben ist die Sprache.

Im Rahmen einer Teamfortbildung haben wir am Projekt: „Sprachberatung in Kindertageseinrichtungen“ teilgenommen.

Die Sprachförderung findet im Prinzip im pädagogischen Alltag durchgängig statt. Eltern, Großeltern und interessierte Personen können Lesepatenschaften übernehmen.

Eingebunden in die Projektarbeit (Kinderkonferenz, Gespräche usw.) und in Angeboten (Fingerspiele, Reime, Lieder, Bilderbücher usw.) erwirbt das Kind Freude am Sprechen und am Dialog. Es lernt aktiv zuzuhören und seine Gedanken und Gefühle differenziert mitzuteilen. Im Kontakt mit anderen Kindern und Erwachsenen schaffen wir eine sprachfördernde Atmosphäre, damit die Kinder mit Freude sprechen und kommunizieren.

Kinder lernen bei uns Sprache:

  • in einer sprachfördernden Atmosphäre z.B. angstfrei, ohne Zwang, spielerisch
  • im persönlichen Kontakt
  • Gespräch und Kommunikation mit anderen Personen, bei Handlungen
  • Raum und Zeit für Gespräche geben z.B. Diskussionsrunden, Kinderkonferenzen
  • durch sprachliche Anregung, im Dialog, in Situationen, im Spiel, durch Angebote z.B. Fingerspiele, Reime und Gedichte, Abzählverse, Lieder, Bilderbücher, Nacherzählungen, phonologische Bewusstheit (Buchstaben, Laute und Silben heraushören und nachsprechen zu können)
  • fördern der non-verbalen Sprache, z.B. Ausdrucksformen, Augenkontakt, Mimik, Gestik, Körperhaltung
  • durch sprachliche Vorbilder – Bezugspersonen, eigenes Gesprächsverhalten, Gesprächsregeln
  • durch frei zugängliche Bilderbücher

 

Für die Sprachförderung ist eine bewusste Literacy-Erziehung sehr wichtig. Dazu gehören:

  • Bilderbuch-Betrachtung, Geschichten
  • Rollenspiele, Handpuppenspiele, Theater spielen, Theaterbesuche
  • spielerische Erfahrung mit Schreiben und Schrift – Schriftzeichen verstehen, Namen schreiben
  • Wertschätzung der Mehrsprachigkeit – Migrantenkindern, Lust an der Fremdsprache

Im letzten Kindergartenjahr nehmen unsere größeren Kindern an speziellen Angeboten zur Sprachförderung teil (siehe Punkt 10).

1 Jahr vor dem Schuleintritt startet für unsere Migrantenkinder und für Kinder, die zusätzliche Sprachförderung benötigen der Vorkurs Deutsch. Dieser wird in Zusammenarbeit Schule – Kindertagesstätte durchgeführt (siehe Punkt 10).

Bei Sprachauffälligkeiten der Kinder beraten und unterstützen wir die Eltern und empfehlen spezielle Fachkräfte (Kieferorthopäden/innen, Logopäden/innen, Hals-Nasen-Ohrenärzte/innen, mobile Frühförderung).

Für Vorschulkinder ist das lautgetreue Hören und Sprechen eine sehr wichtige Voraussetzung für das Erlernen des Lesens und Schreibens. Im letzten Kindergartenjahr bieten wir unseren Kindern das Würzburger Programm „Hören, Lauschen, Lernen“ an.

„Hören, Lauschen, Lernen“

Hierbei handelt es sich um ein Programm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache. Das Würzburger Programm möchte die sprachliche (phonologische) Bewusstheit, eine sehr wichtige Voraussetzung zum problemlosen Lesen- und Schreiben lernen, fördern.

Es enthält Sprachspiele, die sich wie folgt unterteilen:

Lauschspiele: z.B. Geräusche lauschen, seinen Namen lauschen, Wörter die gleich klingen herausfinden, Flüsterspiele

Reime: z.B. Abzählreime, Kinderreime, freies Reimen, Bilderreime

Sätze und Wörter: z.B. Begriffsbildung was ist ein „Satz“, ein „Wort“, Umgang mit Sätzen und Wörtern, Beenden von Sätzen

Silben: z.B. Namen klatschen, rhythmisches Sprechen von Wörtern, Silben klatschen von Wörtern, Geschichten in Silbensprache.

Anlaut: (Endlaute): z.B. Apfel = „A“, Namenraten durch Ansprechen des ersten Lautes, Bildkarten, Tiere finden „F-uchs“, Finde den letzten Laut.

Phoneme (Laute): z.B. Hier werden Wörter in Silben getrennt B-a-ll = Ball, wir suchen in Wörtern nach dem „i“ - Giraffe, Ingrid, Welches Wort ist das längste?

Das Trainingsprogramm bietet vielfältige Übungen, durch die Vorschulkinder in spielerischer Weise lernen, die lautliche Struktur der gesprochenen Sprache zu erkennen. Dadurch wird den Kindern der nachfolgende Schriftspracherwerb in der Schule wesentlich erleichtert.

Das Programm beginnt mit Lauschspielen mit genauem Hinhören, fährt fort mit Reimübungen und führt dann die Einheiten Satz, Wort und Silbe ein. Schließlich wird der Anlaut und einzelne Laute im Wort bewusstgemacht. Das Trainingsprogramm umfasst einen Zeitraum von 20 Wochen und ist in täglichen Sitzungen von 10 Minuten in Kleingruppen mit Vorschulkindern durchzuführen.

Bei diesen Sprachspielen lernen die Kinder genaues Hinhören, den spielerischen Umgang mit Silben und sich auf die klanglichen Eigenheiten gesprochener Sprache zu konzentrieren.

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8.3.6. Bewegung, Rhythmik, Tanz, Sport

Haltungsauffälligkeiten, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Schwächen und Bewegungs-beeinträchtigungen treten bei den Kindern immer häufiger auf. Bewegung ist im alltäglichen Kindergartenleben ein integrierter Bestandteil, sie wird fächerübergreifend eingesetzt d.h. Bewegung wird in der Projektarbeit und in angeleiteten Angeboten und im gesamten Tagesablauf bewusst eingesetzt. Die Kinder bewegen sich nicht, weil sie damit ihre Körperhaltung verbessern wollen, sondern für sie ist Bewegung Ausdruck von Lebensfreude. Durch Bewegung machen Kinder vielfältige Erfahrungen, die sich positiv auf ihre Entwicklung auswirken.

Bewegungsmöglichkeiten in unserer Kindertagesstätte:

IIm Mittelpunkt stehen psychomotorische Erfahrungen, das sich bewegende, handelnde Kind (Kind orientiert) mit seiner Erlebniswelt, seiner Kreativität und seinem Ausdrucksvermögen. Bei der Psychomotorik handelt es sich um ein ganzheitliches Konzept zur Entwicklungsförderung durch Bewegung. Körper– und Bewegungserfahrungen sind demnach auch immer Selbsterfahrung. So sagen körperliche Haltung oder die Art und Weise, wie man sich bewegt, einiges über den seelischen oder emotionalen Zustand aus. Auch bei Kindern ist dies so. Sie nehmen Sinneseindrücke mit dem ganzen Körper wahr, drücken ihre Gefühle in Bewegung aus, knüpfen Kontakte oder teilen Dinge mit, für die ihnen sonst die Worte fehlen. (Sie freuen sich bis in die Füße, spüren Traurigkeit im Bauch oder Angst in den Knien.)

Offene Bewegungsangebote

Unsere Eingangshallen, Flure, Turnraum und Räume stehen für Bewegung zur Verfügung. Hier können die Kinder aus einer Vielzahl von Bewegungsangeboten auswählen (Bewegungsfahrzeuge, psychomotorische Geräte, wie Rollbretter und Pedalo, Schwungtuch, Bälle, Kreisel, Hockeyspiel, Kegeln, Wurfspiel und Fangspiele). Die Kinder können ihre individuellen Bedürfnisse befriedigen. Hier hat das pädagogische Personal genügend Freiraum, ängstliche und leistungsschwächere Kinder zu unterstützen, ihnen Hilfen zu geben, damit sie positive Erfahrungen im Hinblick auf ihre Fähigkeiten machen.

Draußen Spielen, Waldtage – Waldwoche (siehe Punkt 9)

Bewegungsbaustelle (siehe Punkt 9)

Bewegungslandschaft

In der Turnhalle werden den Kindern Bewegungsmöglichkeiten durch aufgebaute (Groß)-Geräte und Turnmaterialien angeboten.

Angeleitete Bewegungsangebote

Einmal in der Woche findet in jeder Gruppe zu geplanten, regelmäßigen Bewegungszeiten eine „Turnstunde“ statt. Diese Form der Bewegungserziehung wird Kind orientiert durchgeführt, d.h., dass trotz der Vorplanung und Betreuung durch die Erzieherin innerhalb der Bewegungsstunden genügend Spielraum bleibt für situative Bedürfnisse der Kinder, für spontane Einfälle und Bewegungsideen.

Bewegungsspiele

Hier werden die Grundbewegungsformen wie Rennen, Laufen, Kriechen, Stützen, Hängen, Rollen, Wälzen, Hüpfen, Ziehen, Schieben erprobt und geübt und auch Gegensätze wie Entspannung und Bewegung. Die Muskulatur erhält dadurch vielfältige Entwicklungsreize, Über- und Unterforderung wird vermieden. Beispiele: Bewegungsgeschichten, Erlebnisturnen, Kreis-, Lauf-, Versteck-, Geschicklichkeits-, Gemeinschafts-, Partner- und Rollenspiele, Pantomime, Gedichte und Reime, Fingerspiele und Sinnesspiele.

Rhythmik

Rhythmik beinhaltet ganzheitliches Lernen durch Erfahren und Erleben. Sie ist eine Erziehungsmethode die sich der Mittel „Musik“ (Körperinstrumente, Orffinstrumente, Gesang, Melodien, Küchengeräte, Geräusche), „Sprache“ (rhythmisches Sprechen, Sprechverse) und „Bewegung“ (in Raum und Zeit, Körpererfahrung) bedient. Das Experimentieren, Erforschen, Gestalten und das Spielen mit Materialien (Seil, Steine, Tücher usw.) gestalten diesen Erziehungsbereich überaus lebendig. Rhythmik lebt von Gegensätzen, Spannung und Entspannung, Bewegungs- und Ruhephasen wechseln sich ab. Die Rhythmikaufgaben werden in Spielformen angeboten. Sie bieten Erfahrungen in der Sensomotorik.

Tanz, Musik und Bewegung

Beobachtet man Kinder so fällt auf, dass sie sich gerne spontan zur Musik, zu Liedern und zu Rhythmen bewegen. Musik und rhythmische Begleitung fordern ein Kind zu spontaner Bewegung auf. Es wippt mit dem Körper, stampft mit den Fuß, es lässt sich durch Rhythmus leiten und bewegt seinen Körper. Musik fördert motorische, kognitive und emotionale Bewegung heraus.
Diese werden Kind orientiert verpackt und übermittelt in:

  • Tanz- und Singspiele
  • Kindertänze
  • Musik und freie Bewegung
  • Klanggeschichten
  • Sitzboogie

Bewegung und Entspannung

Kinder brauchen Bewegung und Entspannung. Ruhe und Stilleübungen nach einer Bewegungsübung ermöglichen dem Kind ein „in sich Hineinkuscheln und Hineinfühlen“. Es nimmt dadurch sich selber und Signale des Körpers z.B. Atmung, Herzklopfen, seine Gefühle und Gedanken besser wahr und lernt sich dadurch besser kennen. Es übt hierbei den Wechsel zwischen „Außen“ und „Innen“ d.h. seine Aufmerksamkeit von den Eindrücken der Außenwelt wird auf seine innere Bilderwelt gelenkt. Durch diese „Umschaltfähigkeit“ zwischen Wachen und Schlafen, Bewegung und Ruhe lernt das Kind den Anforderungen von außen, eigene innere Kräfte entgegenzusetzen. Entspannungsübungen sind Erholung für die Seele, für das körperliche und psychische Wohlbefinden.
Entspannungsübungen, Entspannungsgeschichten mit meditativer Musik, Atemübungen, Yoga, Mandalas, Malen nach Musik, Tai-Chi, Eutonie, Partnerübungen, Sinnesspiele sind hier die bekanntesten Mittel.

Projekt – Bewegte Kita

Da uns die Bewegung im Tagesablauf sehr wichtig ist, beschlossen wir 2018 in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg am Projekt – Queb 2 – „Qualität entwickeln mit und durch Bewegung“ teilzunehmen. Ziel des Projektes ist – Bewegungsmöglichkeiten zu erweitern und verstärkt anzubieten.

Die Teilnahme am Projekt ist für uns sehr positiv zu bewerten. Die aktive Auseinandersetzung mit diesem Thema hat in unserem Team, mit den Kindern und den Eltern, viele Diskussionen angeregt und eine Weiterentwicklung bewirkt.

Nach einem umfangreichen Kita-Check haben wir folgende Ziele festgelegt:

  • Wir nutzen unseren Turnraum effektiver. Wir öffnen ihn in der Freispielzeit 2 x wöchentlich von 8.00 Uhr – 9.30 Uhr für die Kindergartengruppen, sowie einmal wöchentlich von 8.00 Uhr – 8.45 Uhr für die Krippengruppen.
  • Im April veranstalten wir gruppenweise, gemeinsam mit den Eltern, an einem Nachmittag eine Wanderung in der näheren Umgebung.
  • Wir werden ab Mai einen großen Baumstamm zum Balancieren in unserem Außenbereich anbieten.

Nicht nur die erarbeiteten Ziele, sondern viele weitere Überlegungen sind umgesetzt worden:

  • Unser Frühlingsfest wurde ein Bewegungsfest.
  • Wir bieten 2 x im Jahr eine Bewegungsbaustelle an.in der näheren Umgebung.
  • Wir verstärken unseren Aufenthalt im Freien.
  • Im Morgenkreis haben wir ein Bewegungsspiel zum festen Bestandteil gemacht.

Im Januar 2020 erhielten wir die Zertifizierung – Bewegte Kita.
Auch in Zukunft wird Bewegung in unserer pädagogischen Arbeit einen wichtigen Stellenwert einnehmen und ein stetiger Prozess der Weiterentwicklung sein.

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8.3.7. Gesundheit

Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Kinder liegt uns sehr am Herzen. Gesundheit definiert sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) so: Gesundheit ist ein Zustand des körperlichen, seelischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens. Ein guter Gesundheitszustand ist ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität und maßgebend für die gesamte Entwicklung des Kindes.

Es ist unglaublich, wie viel Kraft die Seele dem Körper zu verleihen vermag

Wilhelm v. Humboldt

Die Kinder entwickeln in den ersten Lebensjahren eine grundlegende Einstellung und Gewohnheit für gesundes und ungesundes Verhalten. Gesundheitsförderung geht weit über die gesunde Ernährung hinaus, sie beinhaltet nicht nur gesundheitsspezifische Kompetenzen, sondern Basiskompetenzen (siehe 8.1. Basiskompetenzen), die Förderung von Lebenskompetenzen z.B. Selbstwahrnehmung, Einfühlungsvermögen, Umgang mit Stress und negativen Emotionen, Kommunikation, kritisch- kreatives Denken und Problemlösungen.

Bild

Auf dem Gesundheitskreis sieht man auf einem Blick die acht Bereiche die zum Gesundsein und Wohlbefinden gehören.
In unserer Konzeption findet man die Bedeutung dieser Bereiche für unsere Kinder unter folgenden Punkten genauer beschrieben.

  • Familie (siehe Punkte 11 und 13)
  • Spaß & Freude (siehe Punkt 8.1.)
  • Bewegung (siehe Punkt 8.3.6)
  • Entspannung (siehe Punkt 8.3.6)
  • Essen & Trinken – Ernährung (siehe Punkt 8.3.7)
  • Selbstbewusstsein (siehe 8.1. Personale Kompetenzen)
  • Freunde (siehe Punkt 8.3.4)

 

Gesunde Ernährung in unserer Kindertagesstätte

  • Essen und Trinken als Genuss erleben mit allen Sinnen
  • Unterscheiden lernen zwischen Hunger und Appetit
  • Anzeichen von Sättigung erkennen
  • Sich eine Esskultur und Tischmanieren aneignen, gemeinsame Mahlzeiten als Pflege sozialer Beziehungen verstehen
  • Wissen über gesunde Ernährung und die Folgen ungesunder Ernährung
  • Information über Produktion, Beschaffung, Zusammenstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln (z.B. vom Korn zum Brot)
  • Erfahrungen mit der Zubereitung von Speisen (Kochen, Backen)
  • Signale des eigenen Körpers wahr- und ernst nehmen (z.B. Allergien, Bauchschmerzen)

 

Wie führen wir die Kinder an bewusste Ernährung heran

Ernährungsprojekt: „Tiger Kids“ – AOK

beinhaltet:

  • die Ernährungspyramide – wie ernähren wir uns bewusst?
  • das Programm:“ Die kleine Lock, die alles weiß“
  • das Tiger Rennen
  • die Getränkestation – energiearme Durstlöscher – Getränke stehen immer zur Verfügung
  • der Obst- und Gemüseteller – wir essen täglich davon – saisongerecht

 

  • wir nehmen gemeinsame Malzeiten ein
  • wir achten auf Rituale beim Essen und eine gemütliche Atmosphäre bei Tisch z.B. Kerze anzünden
  • Süßigkeiten bleiben Zuhause, zu besonderen Anlässen darf genascht werden z.B. Fasching, Weihnachtszeit
  • wir achten auf Tischmanieren z.B. sitzen bleiben am Tisch
  • wir bereiten jeden Freitag ein gesundes Frühstück gemeinsam mit den Kindern zu
  • wir gehen mit den Kindern einkaufen
  • wir belohnen und verstärken erwünschtes Verhalten nicht mit Süßigkeiten
  • durch unterschiedliche Projekte und Exkursionen zur gesunden Ernährung z.B. Besuch des Bauernhofes – von der Kuh zur Milch, Besuch der Bäckerei – vom Teig zum Brot, Was wächst wo? – Obstbäume und Nussbäume im Kindergarten, Wo kommen die Lebensmittel her? - Erlebnisse auf dem Feld, Besuch im Hühnerstall – Eier, Wasser ist kostbar - wir verschwenden es nicht usw.

Natürlich spielt bei der Ernährung unserer Kinder auch die Zahngesundheit eine große Rolle, die Kinder erleben und erfahren bei einem Besuch einer Zahnarzthelferin, was alles dazugehört, damit die Zähne gesund bleiben.

 

8.3.8. Naturwissenschaften und Technik

Bei der Auseinandersetzung mit Mathematik, Naturwissenschaften und Technik ist es nicht das Ziel, spezifische Fertigkeiten zu erlernen, sondern es soll die Erfahrung gemacht werden, dass durch Beobachten, Vergleichen und Messen Aufgaben gelöst und gesetzte Ziele erreicht werden können.

Täglich entdecken Kinder Neues, das zum Ausprobieren und Erforschen anregt. Die Kinder stellen uns Fragen über Zusammenhänge (Warum - Fragen), Wirkungsbereiche und sichtbare Veränderungen in ihrer Umwelt. Durch das Entdecken, Erkunden und Wahrnehmen werden die Neugier und das Interesse der Kinder für die unbelebte (z.B. Magnetismus) und belebte Natur (z.B. Entwicklung einer Tulpe aus einer Zwiebel), geweckt. Mit allen Sinnen werden die Experimente wahrgenommen. Man sieht das Licht, ertastet den Zustand des Wassers (Eis, Schnee), riecht den Rauch von Verbranntem, hört den Schall.

Naturwissenschaftliche und technische Experimente leisten einen wesentlichen Beitrag, den persönlichen Bezug der Kinder zu ihrer Umwelt zu festigen und zu erhöhen.

Beispiel: Heiß und Kalt

  • Erwärmung und Abkühlung von Gegenständen
  • Wirkung von Wärme und Kälte
  • Wärmeausbreitung und Wärmeleitung
  • Einfachste Formen der Temperaturmessung

Das Kind setzt sich mit den Experimenten aktiv auseinander. Es erforscht seine Umwelt. Angebote werden in der Projektarbeit attraktiv und lebensnah gestaltet. Gezielte und aktive Einbeziehung der Eltern mit entsprechendem Fachwissen. Die Besichtigung von Einrichtungen und Betrieben (z.B. Kläranlage), den Besuch von Museen zu Natur und Technik erweitern den Wissensstand und wecken Interesse.

Lerninhalte von Experimenten

das Kind:

  • nimmt die Versuche mit allen Sinnen wahr.
  • lernt den Aufbau einer Versuchsanordnung kennen.
  • gewinnt durch die Wiederholung  Selbstvertrauen und Sicherheit im Handlungsablauf.
  • macht die Erfahrung, dass durch eigenes Tun Veränderungen mit teilweise beträchtlicher Wirkung hervorgerufen werden
  • lernt sich mit Freude und Neugier auf die Experimentierverläufe zu konzentrieren.
  • lernt Arbeitsfolgen zu kombinieren, Zusammenhänge erkennen, logisches Verständnis erwerben.
  • kann durch sein eigenes Tun und Handeln seine Erfahrungen und Erkenntnisse auf andere Situationen übertragen.
  • lernt Materialien, Stoffe, Phänomene etc. zu mischen, zu benennen.
  • kann Messungen durchführen (z.B. Temperatur, Größen, Längen, Gewicht).
  • schätzt und misst seine Umgebung mit Begriffen (groß - klein, viel - wenig, voll - leer)
  • kann Naturmaterialien, sammeln, sortieren, zuordnen, benennen und beschreiben.
  • macht erste Erfahrungen mit Gesetzmäßigkeiten.
  • gewinnt Sicherheit im verbalen Ausdruck (Sprache: siehe Punkt 8.3.5.)
  • und im selbst erworbenen Wissen (Lernen wie man lernt: siehe Punkt 8.3.3.)

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8.3.9. Mathematik

Kinder haben ein natürliches Interesse an Zahlen und an der Mathematik. Wir wecken dieses frühe Interesse und fördern entsprechende Begabungen. Auch hier ist es wichtig, dass es beim Lernen zu Handlungen kommt. Wird Lernen mit aktiven Handlungen (siehe 8.3.3. Lernen wie man lernt) verknüpft, werden die Lerninhalte im Gehirn gespeichert. Die abstrakte Welt der Mathematik gestalten wir für die Kinder anschaulich (Materialien, Formen, Spiele usw.) und sinnlich (Formen tasten, Mengen von Kastanien, Reihenbildung mit Stäbchen usw.).

Zahlen begegnen den Kindern immer wieder, sie lernen spielerisch das Zählen im Alltag wie z.B. Tischspiele, Fingerspiele, Abzählverse, Treppenstufen zählen, Anzahl der Kinder zählen, Kuchen aufteilen.

In der Kindertagesstätte fördern wir mathematisches Können und den Mengen-, Ziffern-, und Zahlenbegriff durch sinnliche Erfahrungen mit mathematischen Inhalten.

Raumlage/Raumorientierung:

  • Körperbewusstsein z.B. Ballspiele, den Körperteil benennen bei Berührung
  • Raum/Lageposition im Bezug auf den eigenen Körper z.B. auf ein Signal hin legen sich alle Kinder auf den Bauch, Spiel: Feuer, Wasser, Luft
  • Überschreitung der Körpermitte z.B. Elefantenspiel, liegende Acht
  • Entwicklung von räumlicher Vorstellung zur Sicherung der Orientierung z.B. richtiges Aufräumen, Bauwagen einräumen

Mengenvorstellungen / Mengenerfassung:

  • Erfassen der Anzahl von Objekten in gegenständlichen Mengen z.B. 3 Kastanien ohne Zählen erkennen (Simultanerfassung)
  • Zusammenbringen von Menge und Zahlzeichen z.B. fünf Steine der Zahl 5 oder Würfelbild 5 zuordnen
  • Gebrauch von Zahlwörter z.B. Gegenstände abzählen, Treppenstufen zählen
  • Sicherheit bei der Eins- und Eins Zuordnung z.B. Spiele zur Mengenerfassung (2 Kinder zu  2 Reifen)
  • Gleichbleiben von Mengen in unterschiedlichen Gefäßen z.B. 1l Wasser im schmalen Glas – breitem Glas.

Entwicklung von Formverständnis:

  • Kennen lernen geometrischer Grundbegriffe und richtiges benennen z.B. alle Kreise im Raum entdecken, Ordnen aller Kreise, Unterscheidung Viereck-Würfel
  • Erkennen und Benennen der unterschiedlichen Merkmale von Objekten z.B. rund, eckig,

Kennen lernen von Gewichten und Längen:

  • Unterschiedliche Gewichte abschätzen und sortieren nach „schwer - leicht“ mit  z.B. Montessorimaterialien, Konstruktionsmaterialien, verschieden lange Stäbe sortieren
  • Gegensätzliche Begriffe kennen: Schwer - leicht, lang - kurz durch  z.B. Balancespiele

Zeit erfahren und wahrnehmen:

  • Entfernung und Zeiten einschätzen z.B. Uhr beobachten, Sanduhr beim Zähneputzen
  • Zeitabläufe erkennen z.B. feste Strukturen im Tagesablauf erkennen und benennen
  • Etwas in einer bestimmten Zeit schaffen z.B. Zeitvorgaben bei bestimmten Tätigkeiten

Verbale/akustische (sehen/hören) Fähigkeiten:

Fähigkeiten der Reihenbildung:

  • Rhythmen wiedererkennen und klatschen z.B. Namen klatschen, Rhythmikstunden, Musikstunden
  • Reihen fortsetzen z.B. Fädelspiele, Perlenmuster auffädeln, Steckspiele, Reihen legen und fortsetzen
  • Vorgegebene Muster nachlegen z.B. Logeo (Formenspiel)
  • Kennen und benennen zeitlicher Begriffe (davor, danach, dann....) z.B. Merkspiele, Kimspiele

 

„Montessorimaterialien“

Was Maria Montessori (1870-1952) bereits Anfang des letzten Jahrhunderts entdeckte und beschrieb, belegen ganz aktuell die modernen Wissenschaften wie die Neurobiologie, die Gehirnforschung und die Lern- und Entwicklungspsychologie: Kinder entwickeln sich in aufeinander aufbauenden Phasen, über sinnliche Wahrnehmung und selbständigen Handeln. So können sich im Gehirn die notwendigen Synapsen (Schaltstellen) bilden, die wir Menschen beim Denken brauchen.

„Hilf mir es selbst zu Tun“
Maria Montessori

Wir verwenden Montessori – Materialien (auch selbst hergestellte), die das mathematische Verständnis fördern. Laut Maria Montessori ist „der menschliche Geist ein mathematischer Geist“.

  • Dieser „Geist“ ist im Kind vorhanden. Er zeigt sich in seiner Freude am Kombinieren, Sortieren, Ordnen, Muster legen, Grenzen ziehen, Messen, Wiegen, Vergleichen, Schätzen, Symbole finden.
  • Dieser Geist ist überall wirksam z.B. in unserem Zuhause, wenn wir die Treppe hinaufsteigen, die Straße überqueren, uns etwas zu trinken eingießen usw.
  • Menschen haben und brauchen überall ein Augenmaß und einen Sinn für mathematische Verhältnisse, um sich orientieren zu können.
  • Der „mathematische Geist“ hat jedoch überwiegend nichts mit „Rechnen“ zu tun.

Besonders durch die Arbeit mit Materialien, die unterschiedliche Sinne ansprechen, macht ein Kind Erfahrungen, die sein mathematisches Verständnis vorbereiten und fördern.

 

Beispiele:

  • Sinnesmaterialien:
    • Farbige Zylinderblöcke
    • Schachtel in der Schachtel (sortieren nach klein - groß)
    • Stangen sortieren (Längenunterschiede)
    • Glassteine nach Farben sortieren
    • Geruchsdosen
    • Schüttelflaschen
    • Sandkiste (Quarzsand)
    • Formen (verschiedene Farben und Größen)
  • Materialien des täglichen Lebens:
    • Kännchen zum Eingießen, zum Schütten usw.
    • Stecknadeln in ein Nadelkissen stecken
    • Verschiedene Verschlüsse öffnen können (Geldbeutel, Taschen)
    • Schleifenrahmen
  • Mathematisches Material:
    • Kugeln an der Schnur
    • Glaslinsen  in Gläser sortieren (gleichviel, eine bestimmte Anzahl)
    • Zahlenzuordnungsspiele
    • Ausmessen der Kinder (wie viel Stangen brauche ich)
    • Eins und Eins Zuordnung (3 Autos zu 3 Stiften)
    • Verkaufsspiel (ich möchte von dir 5 Zitronen)

 

„Entdeckungen im Zahlenland“ von Prof. Preiß

Im letzten Kindergartenjahr bieten wir für unsere Kinder ein Projekt zur mathematischen Bildung an. Es läuft ein ganzes Kindergartenjahr und findet einmal in der Woche statt.

Bei den Entdeckungen im Zahlenland wird die abstrakte mathematische Welt als ein den Sinnen zugängliches „Zahlenland“ gestaltet. Die Inhalte werden systematisch aus Wahrnehmung und Handeln aufgebaut und mit der Lebenswelt der Kinder verbunden.

Die Entdeckungen im Zahlenland sind zudem gut geeignet, rechenschwachen Kindern, einen neuen, erfolgreichen Zugang zu den Zahlen zu ermöglichen.

Der Aufbau des Zahlenbegriffs, wie es hier für die vorschulische Bildung verwendet wird, vollzieht sich im Rahmen von drei Erfahrungs- und Handlungsfeldern, im Zahlenhaus, auf dem Zahlenweg und in den Zahlenländern.

zahlenland

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8.4. Beteiligung und Beschwerderecht der Kinder

Im BEP heißt es: „Das Demokratieprinzip prägt das gesamte Bildungsgeschehen und trägt die Idee von „gelebter Alltagsdemokratie“ in sich. Es basiert auf einer Kultur der Begegnung, die demokratischen Grundsätzen folgt, und damit auf Partnerschaft und Kooperation. Wenn das Bildungsgeschehen eine soziale und kooperative Orientierung erfährt, vereint sich diese Kultur der Begegnung mit einer Kultur des Lernens, die auf das Wohlbefinden und die Engagiertheit aller Akteure setzt. Partnerschaft gründet auf Gegenseitigkeit, Gleichberechtigung und Wertschätzung. Sie bedeutet, sich respektvoll zu begegnen und als Partner zusammenzuwirken, denn jeder hat besondere Stärken und kann etwas einbringen. Partnerschaft erfordert angemessene Beteiligung an Entscheidungsprozessen in gemeinsamen Angelegenheiten mit dem Ziel ko-konstruktiver Aushandlung und Mitbestimmung. Beschwerde- und Streitkultur sowie eine Kultur der Konfliktlösung sind weitere Aspekte von Demokratie“.

Damit Kinder sich beteiligen und beschweren können, braucht es eine partizipative Haltung der Erzieherinnen, die Kindern das Recht zugestehen, ihre Meinung, Anliegen und Beschwerden zu äußern und zu vertreten.

Da Kinder ihre Anliegen je nach Alter nur teilweise sprachlich formulieren können, müssen die pädagogischen Fachkräfte die Kinder gut beobachten um ihre Bedürfnisse wahrnehmen und formulieren zu können. Kinder erleben so, dass ihre Äußerungen ernst genommen werden und dass sie etwas bewegen können.

Die Formen der Beteiligung/Beschwerde richten sich nach dem Alter der Kinder!

Möglichkeiten der Beteiligung/Beschwerde:

  • Differenziertes Wahrnehmen von Gefühlsäußerungen des Kindes und entsprechende Reaktion der Erzieher/in darauf
  • einfühlsames Eingehen auf individuelle Bedürfnisse, z.B. Schlafen, Wickeln, Essen
  • Wahlmöglichkeiten beim Essen
  • Kinderkonferenzen
  • Abstimmung der Kinder zu bestimmten Themen
  • gemeinsames Aufstellen von Regeln in einer Gruppe
  • Kinderbefragung
  • Mitbestimmung im Alltag und bei Projekten
  • freie Wahl von Spielmaterial und –partner

Wichtig: Im Vordergrund stehen die Gestaltung und Lösungsfindung, also der Prozess und die Erfahrung, die das Kind macht, nicht das Ergebnis!

 

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8.5. Inklusion

Inklusion heißt für uns, dass wir allen Kindern gleichermaßen offenstehen, unabhängig davon, ob sie körperlich, psychisch oder geistig beeinträchtigt sind, ob sie hochbegabt sind, ob sie einer anderen Kultur oder Religion angehören oder sonstige Besonderheiten aufweisen.

Das bedeutet für uns:

  • Dass wir miteinander und voneinander lernen, Spaß haben zu spielen und Neues kennen zu lernen, aber sich auch schwierigen Situationen gemeinsam zu stellen. Dabei ist es uns wichtig, die Stärken eines jeden Kindes zu stärken und die Schwächen zu schwächen.
  • Wir schaffen gerechte Rahmenbedingungen für Kinder, deren Teilhabe aufgrund ihrer physischen, psychischen oder sozialen Situation eingeschränkt ist.
  • Da jedes Kind individuelle Bedürfnisse und Stärken hat, kann es bei der Umsetzung von Inklusion keine Patentrezepte geben. Deshalb ist es besonders wichtig, eng im Team und mit den Eltern der Kinder zusammnzuarbeiten, und Netzwerke aufzubauen, die Kinder und Eltern bei Bedarf zusätzlich unterstützen können. (Frühförderung, Heilpädagogische Tagesstätte, Erziehungsberatung, Logopäden usw. siehe Punkt 6.2.)
  • Beobachtung und Dokumentation spielt dabei eine wesentliche Rolle (siehe Punkt 8.3.1.)

 

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